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die gründer von „entwicklungshelfer“, barbara rörten und tim prell, beraten menschen, die unglücklich im job sind, beim finden einer alternative

interview: marija latkovic

wie kommt es, dass viele menschen nach jahren im job merken: „eigentlich will ich etwas anderes machen“?

tim prell: zum zeitpunkt der entscheidung haben die meisten menschen keine klarheit über ihre persönlichkeit, potenziale, wünsche und bedürfnisse. sie suchen sich ihren job oder ihr studium nicht bewusst aus, sondern nehmen das, was sich gerade anbietet. typisches beispiel: bwl und jura. diese studien werden immer noch so eingeschätzt, dass man sich damit türen offenhalten für später, wenn man vielleicht mehr klarheit hat. nur passiert das nicht. stattdessen merkt man irgendwann: “mit mir als persönlichkeit, stand heute, hat das wenig zu tun.“

wie viele menschen stecken tatsächlich im falschen job!

prell: aus unserer erfahrung mindestens zwei drittel, wobei nicht jeder mit dem falschen beruf unglücklich ist. manche arrangieren sich damit und konzentrieren sich zum beispiel aufs private.

und der rest?

barbara rörtgen: die meisten klienten, die zu uns (entwicklungshelfer.com) kommen, haben keinen konkreten plan b. sie können nur eins mit sicherheit sagen: dass sie auf alle fälle etwas anderes tun wollen.
prell: es gibt natürlich auch die, die mit einer fülle von ideen kommen. aber das heißt nicht, dass auch nur eine dabei ist, die auf die persönlichkeit passt.

um herauszufinden, ob das der fall ist, sucht man bei jobkrisen im alltag meist rat bei freunden.

rörtgen: freunde meinen es gut. und weil sie nahe dran sind, sehen sie fast nur das bild, das man auch selbst von sich hat. ein neutraler blick von außen sieht mehr.

wie gehen sie in so einem fall vor?

prell: wir sehen uns die sogenannten harten faktoren an. da geht es um stärken, schwächen, begabungen. fast noch wichtiger sind die weichen faktoren wie interessen, werte, bedürfnisse und träume.
rörtgen: dafür unterhalten wir uns acht bis zehn stunden mit den klienten und werten das erfahrene anschließend aus. wenn wir gut gearbeitet haben, steht am ende sehr deutlich die eine konkrete perspektive, auf die das meiste dieser persönlichkeit einzahlt.

wie häufig überraschen sie klienten mit ihrer empfehlung?

rörtgen: meistens. wir betrachten das ganze bild des menschen und daraus ergeben sich ganz andere möglichkeiten. man selbst betrachtet meist nur einen ausschnitt von sich.

woran merkt man auch ohne professionelle beratung, dass es definitiv zeit ist, sich beruflich neu zu orientieren?

rörtgen: der er einfachste fall sieht so aus, dass sie über einen längeren zeitraum unzufrieden sind. andere spüren schon morgens beim aufwachen einen widerwillen beim gedanken an die arbeit – das ist die verschärfte form. und dann gibt es menschen, die so lange im falschen ausharren, bis sie krank werden. soweit sollte es wirklich nicht kommen.

es gibt experten, die sagen, viele seien unzufrieden in ihrem job, weil sie den beruf überbewerten.

prell: für menschen, die gern arbeiten und daraus befriedigung ziehen, ist es schwierig, den beruf nur als broterwerb zu sehen. das war früher so. heute suggeriert uns die gesellschaft, wir hätten alle möglichkeiten. da fragt man sich: „wie sinnvoll ist das, was ich tue?“

und wie sinnvoll ist es ohne hilfe vom profi auf plan b zu setzen?

prell: es gibt keinen grund für misstrauen gegen sich, solange man mit lust dabei ist. was nützt die beste idee, wenn einen das projekt kalt lässt? ist man trotzdem unsicher, kann man sich ja mit hilfe von experten sicherheit holen.