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das kleine brevier der werte: gerechtigkeit

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gerechtigkeit ist heute ein wert, dem man nicht nicht zustimmen kann – der konsensbegriff nr. 1. gerechtigkeit ist ein sich selbst rechtfertigendes ideal geworden. die meisten menschen können nicht sagen, was gerechtigkeit ist, aber sie haben ein sehr genaues empfinden für ungerechtigkeiten.

 

die moderne gesellschaft hat die gerechtigkeitsprinzipien sakralisiert. je weniger die menschen an gott glauben, um so mehr müssen sie an die soziale gerechtigkeit glauben. soziale gerechtigkeit ersetzt das heilige. in dem wort gesellschaft fasziniert das versprechen der gleichheit, in dem wort sozial fasziniert das versprechen der gleichverteilung von vermögen und glück.

 

gerechtigkeit wird weltweit als grundnorm menschlichen zusammenlebens betrachtet. daher berufen sich in quasi allen staaten gesetzgebung und rechtsprechung auf sie. sie ist in der ethik, in der rechts- und sozialphilosophie sowie in der moraltheologie ein zentrales thema bei der suche nach moralischen und rechtlichen maßstäben und für die bewertung sozialer verhältnisse.

 

nach platons verständnis ist gerechtigkeit eine innere einstellung. sie ist für ihn die kardinaltugend, der entsprechend jeder das tut, was seine aufgabe ist und wo die drei seelenteile des menschen, das begehrende, das mutige und das vernünftige, im richtigen verhältnis zueinander stehen.