platon 2

das klügere lieben

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wie schön, lehrreich und unterhaltsam es doch immer wieder ist, sich mit den großen philosophen zu beschäftigen und zu erkennen, welch kluge gedanken sie bereits jahrhunderte vor der christlichen zeichrechnung hatten. wie PLATON zum beispiel und was er über DAS KLÜGERE LIEBEN gesagt hat.

 

„PLATON war ein großer beziehungstheoretiker. in seinem dialog SYMPOSION, dem versuch der erklärung, was liebe eigentlich ist, wird von einem gastmahl erzählt, zu dem der tragödiendichter agathon seine freunde einlädt, um mit ihnen zu essen, zu trinken und über die liebe zu sprechen.
die ansichten der gäste zu diesem thema fallen völlig unterschiedlich aus. die brauchbarste und interessanteste theorie überträgt PLATON seinem alten freund sokrates. sich zu verlieben heiße letztlich, in einem anderen menschen eine gute eigenschaft entdeckt zu haben, die einem selbst fehle. vielleicht bleibt der andere gelassen, während man selber sich ständig aufregt oder lebt diszipliniert, während man selbst der reinste chaot ist oder kann gut reden, während man selbst kaum den mund aufbekommt.

 

der liebe liegt die annahme zugrund, man würde durch die nähe zum anderen ein bisschen werden wie er und könnte mit seiner hilfe das eigene potential voll entfalten.

 

in PLATONS augen ist die liebe vergleichbar mit erziehung. man kann niemanden wirklich lieben, ohne sich von ihm vollkommnen lassen zu wollen. die liebe sollte immer in dem versuch zweier menschen bestehen, gemeinsam zu wachsen und sich gegenseitig dabei zu helfen. deshalb muss der andere ein mensch sein, der über etwas wichtiges verfügt, das in der eigenen entwicklung fehlt.

 

heutzutage klingt das völlig absurd, weil für die meisten liebe gerade darin besteht, jemanden zu finden, der einem perfekt erscheint, so wie er ist.

 

PLATON denkt genau das gegenteil. er möchte uns dazu veranlassen, beziehungen wesentlich weniger stolz und aggressiv anzugehen. stattdessen sollten wir die eigene unvollkommenheit akzeptieren und dem partner erlauben, uns etwas beizubringen. eine gute beziehung wäre dann eine, in der man den anderen gerade nicht so liebt wie er ist, sondern ihm dabei hilft das beste aus sich zu machen – und die unweigerlich damit verbundenen, stürmischen zeiten durchzustehen – während man sich gleichzeitig seine bemühungen gefallen lässt, uns zu verbessern.“