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DIE ENTWICKLUNGSHELFER

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coaching für studenten

interview: ananda milz

düsseldorf (rp). barbara rörtgen und tim prell coachen menschen, die auf der suche sind nach neuen beruflichen perspektiven. auch studenten in der krise finden bei den profis hilfe.
wenn ein student merkt, dass das studium mehr qual als freude bereitet. wann heißt es durchhalten, wann sollte er lieber dranbleiben?
prell richtig ist meist das, was sich leicht anfühlt und freude macht. ein studium sollte keine qual sein.
rörtgen und selbst wenn es mal anstrengend ist und man alles geben muss, sollte man stets das gefühl haben, dort auch richtig zu sein.
und wenn das nicht der fall ist?
prell dann ist es besser, dem ersten impuls zu folgen und umzusatteln, bevor man seine energie an etwas verschwendet, das eigentlich nicht das richtige ist. das problem ist ja, dass die meisten unter dem einfluss der familie ein studium beginnen. es ist also oft so, dass fächer dem umfeld zuliebe gewählt werden.
wenn ein student nun wirklich das gefühl hat, das falsche zu tun, wie soll er vorgehen?
prell dieses gefühl in jedem fall ernst nehmen. viele zweifeln dann aber an sich und sehen sich als gescheitert an. dabei geht es darum zu erkennen: nicht ich bin falsch, sondern hier bin ich falsch.
was raten sie dann?
rörtgen sich auf sich zu besinnen und herauszufinden, welche interessen man wirklich hat.
prell an dieser stelle ist es hilfreich, menschen aus dem eigenen umfeld zu rate zu ziehen, die man nicht so gut kennt, mit denen man noch ein bisschen fremdelt. am besten aber profis, die einen neutralen blick von außen auf das potenzial des studierenden werfen können. gut ist es auch, sich zu fragen, welche menschen man wegen ihres berufes, ihrer talente bewundert oder toll findet.
wie sieht es generell aus mit der suche nach talenten?
rörtgen das mit den talenten ist gar nicht so einfach, weil viele in der schule gar nicht entdeckt und deshalb nicht gefördert werden konnten, wie zum beispiel soziale kompetenz. oftmals geht es auch gar nicht so sehr um begabungen oder talente, sondern sehr viel mehr um die bereits genannten interessen. interessen, die schon da sind, sind meistens mit einem gefühl der begeisterung verbunden oder mit lebhaften und guten erfahrungen.
prell dennoch gibt es ja begabungen. um diese zu entdecken, sollte man sich einfach fragen, was kann ich, ohne dass ich es je gelernt habe? und zwar von kindesbeinen an. jeder mensch verfügt über mehrere gaben, es gilt sie nur zu entdecken.
viele studenten haben dafür keine zeit, weil sie mit 23 einen master und 10 praktika in der tasche haben wollen.
rörtgen das phänomen ist uns vertraut. es ist aber nicht immer klug, diesen zeitgeisterscheinungen zu folgen. wer heute seine wirklichen interessen und talente übersieht, kommt dann eben in der lebensmitte zu uns. weil er bereits im studium aufs falsche pferd gesetzt und einen beruf ergriffen hat, von dem er jetzt die nase voll hat.
prell diese klientel haben wir oft bei uns. sie haben schmerzlich erfahren, dass sie ein zu einseitiges bild von bildung hatten und dass die ausbildung der eigenen persönlichkeit auf der strecke geblieben ist.
zusammengefasst, was empfehlen sie?
rörtgen bevor der student etwas neues beginnt, sollte er sich wirklich sicher sein und nichts halbherzig oder überstürzt beginnen. es ist wichtig, sich hilfe zu holen, in sich hineinzuhorchen und dann mit einem sicheren gefühl etwas neues zu starten. auch gut: er verbringt ein jahr im ausland, um sich zu erfahren. danach wird er auf jeden fall viel mehr über sich und seine qualitäten wissen.