wirtschaftsblatt

NIEMAND SOLLTE IM FALSCHEN JOB VERSAUERN

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mut zur veränderung:

von kathrin gulnerits

neustart. 80 prozent sitzen im falschen job. wer einen radikalen neustart wagen will, braucht mut – und ein paar denkanstöße.
wenn die hoteldirektorin ihren prestigejob an den nagel hängt und familientherapeutin wird, der jurist auf outdoortrainer umsattelt und die reiseveranstalterin als apothekenhelferin anheuert, dann gehört zu diesem radikalen berufswechsel eine gehörige portion mut – und ein paar anstöße, die zu diesem umdenken geführt haben. barbara rörtgen und tim prell von der beratungsagentur entwicklungshelfer ideenlabor in düsseldorf geben diese anstöße – um 1900 €. bis zu zwölf stunden lang müssen die klienten dafür vor allem eines tun: nachdenken und fragen beantworten.
gibt es ein lebensmotto? wer sind vorbilder? welche bedürfnisse habe ich und welche werte? wie schaut es mit fähigkeiten und eigenschaften aus? am ende werden nicht drei berufsoptionen vorgestellt, sondern ein konkreter job. eine aufgabe, die 80 prozent des natürlichen potenzials abdeckt. „menschen können ganz viele dinge ganz passabel machen. darum geht es in unserem coaching aber nicht“, stellt prell klar.
zurück auf los. bei 20 prozent ihrer klienten kommen prell und rörtgen zu dem ergebnis, dass sie in ihrem beruf schon richtig sind, aber die bedingungen im job nicht passen – dem großen rest empfehlen sie einen neuanfang. viele sind sich nur der fähigkeiten bewusst, die sie in den vergangenen zwei jahren genutzt hätten, beobachten die karriereexperten immer wieder. doch im coachinggespräch werden dann aus den 30 vermeintlichen stärken plötzlich 100.
rörtgen: „wir geben uns nicht mit der erstbesten antwort zufrieden und heben ganz viele verschüttete sachen hervor. am ende kommen wir zu sehr überraschenden ergebnissen.“
der bedarf an diesem besonderen berufscoaching scheint groß zu sein. „bis weihnachten haben wir keine freien termine mehr“, sagt prell, der auch schon klienten aus österreich betreut hat. die meisten kommen in der gefühlten lebensmitte so zwischen ende 30 und ende 40. das, was sie bis jetzt gemacht haben, war ganz in ordnung. schließlich ging es darum, sich etwas aufzubauen, beruflich etwas darzustellen. „aber ob sie das auch noch die nächsten 20 jahre machen wollen, da sind sich viele nicht mehr so sicher“, sagt rörtgen. beide wissen, wovon sie reden. haben sie doch selbst ihre jobs als kreativdirektorin und artdirector einer werbeagentur an den nagel gehängt, um in das coachinggeschäft einzusteigen. ihre klienten kommen aus allen berufsgruppen. viele von ihnen sind im falschen job, weil sie von vornherein das falsche gelernt haben – etwa aus der vermeintlichen verpflichtung, in die fußstapfen der eltern zu treten.
seit zehn jahren nehmen rörtgen und prell lebensläufe und lebensträume ihrer klienten auseinander und setzen sie wieder zusammen. „85 prozent haben die perspektive genauso umgesetzt, wie wir es vorgeschlagen haben“, sagt prell. die einen werfen binnen eines halben jahres alles über den haufen, andere lassen sich zwei, drei jahre zeit. „man sollte keine abstriche machen. es gibt für jeden das richtige betätigungsfeld“, appelliert rörtgen. „das ist lebenszeit. niemand sollte im falschen job versauern.“