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WELCHE FÄHIGKEITEN HABEN SIE?

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wer sich und seinen job neu erfinden will, sollte sich selbst kennen.

interview: britta mersch

frau rörtgen, wenn ich in meinem job nicht glücklich bin, bin ich dann bei ihnen richtig?

ja, wir beraten ganz junge menschen, die sich erst noch für ein studium entscheiden, im studylab. im joblab ist die zielgruppe zwischen 35 und 45 jahre alt. viele haben dann schon karriere gemacht, suchen aber nach einer neuen beruflichen perspektive. und dann haben wir noch beratungen für menschen, die aus dem beruf ausscheiden, das bestagelab. wir helfen ihnen, nach der rente eine neue aufgabe zu finden.

sie nennen sich entwicklungshelfer – das klingt nach abenteuer. ist es das auch?

auf jeden fall. wir bieten ein coaching an, mit dem die menschen sehr viel über sich selbst lernen. das kann sehr aufregend sein.

wie frustriert sind denn die menschen im moment?

nicht mehr als sonst. die krise hat dazu geführt, dass die unsicheren menschen mehr denn je an dem festhalten, was sie haben. die nachfrage bei uns ist konstant geblieben. die zahl der offenen und risikobereiten menschen scheint ebenfalls konstant zu sein.

wie gehen sie vor?

wir führen keine tests durch, wie sie oft bei psychologen gemacht werden. sondern wir haben eine methode entwickelt, nach der wir den menschen individuell befragen und ganzheitlich betrachten. wir nennen das die „potenzial-analyse“. das heißt, wir versuchen, das größte natürliche potenzial der menschen herauszufinden. wenn wir das benennen können, dann finden wir auch den job, der zu ihnen passt.

wie sieht das genau aus?

die genauen instrumentarien verraten wir natürlich nicht. im prinzip stellen wir viele fragen, zum beispiel nach dem lebensmotto: haben sie eins?

nicht wirklich. ich achte aber darauf, dass ich in meinem beruf viel freiheit habe. meinen sie so etwas?

das wäre ein anfang. wir erkundigen uns dann, ob es im elternhaus auch ein motto gegeben hat. und manchmal stellen wir fest, dass die vorstellungen, die menschen vertreten, oft gar nicht die eigenen sind. wir fragen auch, welche interessen es gibt, welche begabungen, fähigkeiten, eigenschaften. was denken sie, wie viele fähigkeiten könnten sie aus dem stegreif nennen?

ganz spontan? vielleicht so um die fünfzehn?

so antworten viele. wenn sie sich etwas zeit lassen, können die meisten 20 bis 25 fähigkeiten auflisten. wir fragen aber weiter und helfen den menschen, sich zu erinnern. und am ende haben wir eine liste mit rund 120 fähigkeiten und 100 bis 120 eigenschaften, die jeden einzelnen ausmachen. das selbstbild wird also viel größer und umfangreicher. und so nähern wir uns schritt für schritt.

was meinen sie denn mit fähigkeiten? also teamgeist, kommunikationsfähigkeit, und durchhaltevermögen?

nicht nur. das kann beim radfahren anfangen und beim verhandlungsgeschick enden. kein mensch nimmt sich die zeit, mal alles aufzulisten, was ihn ihm steckt. oft sehen die menschen nur die schwächen, die sie haben. das ist schade, denn dadurch geht viel verloren. unser neutraler blick von außen hilft, sich zu erinnern. und die dinge, die als selbstverständlich angesehen werden, wertzuschätzen.

wie lange dauert die befragung?

das geht einen ganzen tag lang. man kann von acht stunden ausgehen, manchmal werden das auch zehn oder elf. die liste der fragen ist recht lang: vorbilder, wünsche, werte, bedürfnisse, interessen, und so weiter. und in dieser zeit wird vielen klar, was in ihnen steckt. sie konnten es nur nie formulieren.

und was kommt am ende heraus?

wenn wir alles wissen, ziehen wir uns zu einer beratung zurück und überlegen, welcher beruf ganz konkret zum klienten passen könnte, wo sein potential liegt. eine woche nach dem coaching bekommen sie ein exposé, 35 seiten stark. darin steht alles, was der klient gesagt hat, versehen mit kommentaren von uns. er kann also nachvollziehen, wie es zu diesem ergebnis gekommen ist.

krempeln sie menschen komplett um?

das liegt an jedem selbst, es sind ja nur empfehlungen. manche nehmen sie mit nach hause und lassen sie eine zeitlang liegen. andere setzen ihre ideen direkt in die tat um.
wir hatten gerade einen mann, der wollte pilot werden, war sich aber nicht sicher. während des coachings stellte sich heraus, er wäre ein guter lehrer. und hat das auch schon die ganze zeit gemacht. als tennistrainer hat er sogar für kinder eigene programme entwickelt, weil die anders lernen. nur fand er das selbst nicht so besonders.
ich denke da an eine frau, die eine klassische lehre zur bankkauffrau gemacht hat und auch übernommen worden ist, als sachbearbeiterin für agrarkredite. eine zeitlang hat sie das gemacht, doch dann hat sie gemerkt, dass ihr was fehlt. sie hat dann ein abendstudium in betriebswirtschaft aufgenommen, wollte das aber noch mal überprüfen, und so ist sie zu uns gekommen. wir haben festgestellt, dass sie die optimale personalentwicklerin wäre, weil sie ein gespür für menschen hat, gerne mit ihnen arbeitet. mit dieser erkenntnis ist sie dann zum vorstand ihrer bank gegangen und hat gesagt, dass sie in die personalabteilung wechseln möchte. die chefs waren gar nicht begeistert, haben gesagt, das sei nicht vorgesehen. sie hat dann selbst einen plan für ein trainee-programm ausgearbeitet, hat das noch mal vorgelegt – und dann wurde das genehmigt. heute ist sie projektmanagerin in der personalabteilung.

die menschen, die zu ihnen kommen, sollten also schon pioniergeist mitbringen…

die, die zu uns kommen haben den wunsch, etwas zu bewegen. manche möchten sich aber auch nur absichern, oder neue impulse bekommen. die motivation ist ganz unterschiedlich.

gibt es denn auch menschen, die sich gar nicht für irgendetwas begeistern lassen? also so eine art dauer-nörgler?

natürlich gibt es die, aber die kommen nicht zu uns, denn sie wollen so bleiben wie sie sind. die lieben das nörgeln und sind fern von jeder veränderung.

wie teuer ist die entwicklungshilfe?

erwachsene zahlen 2.100 euro, schüler und studenten 1.500.

ganz schön viel…

die kosten haben sich noch nie als problem dargestellt. so ein coaching kann ja das ganze leben verändern. wenn man sich dadurch ein paar unzufriedene jahre sparen kann oder ein falsches studium, ist das gar nicht mehr so viel. und die klienten haben ja auch zeit, sich zu entscheiden. wir bieten ein kostenloses vorgespräch an, bei dem wir uns kennen lernen. das ist uns sehr wichtig, weil die chemie stimmen muss.

aus ihrer erfahrung heraus: was würden sie sagen, wer ist der beste job-erfinder?

menschen, die bereit sind, auch mal ein risiko einzugehen. viele glauben, dass sie vor allem wert auf sicherheit legen. im coaching stellen sie aber fest, dass das gar nicht immer so ist. dadurch werden sie freier und können neue entscheidungen treffen – auch jetzt, in zeiten der krise.